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Do It Yourself Schülerdemonstration gegen Rassismus – Politisches Engagement selbstwirksam erleben!

Matthias Flüß, Städt. Gesamtschule Recklinghausen-Suderwich, Recklinghausen

Millionen von Menschen demonstrieren jedes Jahr. Doch wie lässt sich dieses Grundrecht für Schülerinnen und Schüler erfahrbar machen? Wie lassen sich junge Menschen motivieren, sich über die Grenzen des eigenen Klassenraumes oder des Schulgeländes hinweg für ihre Meinung stark zu machen? Wie soll man das alles planen?

Viel zu viel Aufwand?

Nein, der Methodenkoffer DIY Schülerdemonstration nimmt Schülerinnen und Schüler an die Hand und führt sie durch die spannende Welt der gesellschaftliche Teilhabe. Eine Welt, in der sie sich tatsächlich auf den Straßen ihrer Stadt Gehör verschaffen werden. Ihr Engagement im Unterricht erhält eine reale Bedeutung. In zwei Lernschritten bereitet ein Koffer die Schülerinnen und Schüler auf ihre Demonstration vor. Zunächst gilt es zu verstehen, warum Diskriminierung und Rassismus uns alle betrifft und warum Demonstrationen ein wichtiges Mittel sind, um auf unsere Anliegen aufmerksam zu machen und uns in unserer Demokratie Gehör zu verschaffen Die Schülerinnen und Schüler lernen anhand der Methoden im Koffer spielerisch Argumente zu entwickeln, um das Thema ihrer Demonstration stichhaltig vertreten zu können. Der zweite Schritt widmet sich dem Projektmanagement. In verschiedenen Teams (Werbemaster, Organisationstalente, Malermeister etc.) arbeiten sie gemeinsam auf ihr Ziel hin, ihre eigene Demonstration zu verwirklichen.

Ziele und Zielgruppe
Wie oft wird im Politikunterricht Zivilcourage, gesellschaftliche Teilhabe gepredigt? Wie oft versuchen wir diese im Klassenrat oder in jährlichen Wahlen zur Klassensprecherin bzw. zum Klassensprecher spürbar zu machen? Doch alles bleibt immer in den vier Wänden des Klassenzimmers oder hinter den Mauern des Schulgebäudes.

Also was sind die Ziele und wer ist die Zielgruppe? Es ist jede Klasse ab dem 8. Jahrgang, die diese Form der Demokratie erleben soll. Jede Lehrkraft, die ihre Lerngruppe nachhaltige, politische Lernerfahrungen ermöglichen wollen, ob es nun die 8. Klasse einer Hauptschule oder der SoWi-Kurs aus der Oberstufe ist. Über eine natürliche Differenzierung steht allen Lerngruppen, die Tür zu ihrer eigenen Demonstration offen. Schülerinnen und Schüler handeln zivilcouragiert, proaktiv und selbstständig. Sie setzen sich mit ihrem Engagement für mehr Toleranz und Gleichwertigmeit an ihrer Schule und in der Gesellschaft ein und lernen nachhaltig, sich öffentlich für ihre Meinung einzusetzen.

Methodik und Didaktik
Mit einem Methodikkoffer werden Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt, ihre eigene Demonstration gegen Rassismus vorzubereiten, zu organisieren und tatsächlich durchzuführen. Eine methodische Vorarbeit ist an dieser Stelle nicht notwendig. Der Koffer bringt alles mit.

Dabei baut sich der Koffer auf vier Prinzipien auf. Er möchte das Verstehen, nicht allein das Wissen fördern. Die Schülerinnen und Schüler sollen nicht nur wissen, was ein Demonstration ist, sondern verstehen, warum es ein, nein, ihr Grundrecht ist zu demonstrieren. Er betont das Handeln vor dem Können. Wie oft, wurden den Schülerinnen und Schüler schon erklärt, wie Teilhabe funktioniert, doch diese theoretische Kompetenz handelnd zu erfahren, Demokratie am eigenen Leib zu spüren, ist eine vollkommen anderes Lernerlebnis. Es folgen die letzten beiden Prinzipien. Die Schülerinnen und Schüler erleben eine Selbstwirksamkeit in ihrem Engagement, die das Klassenzimmer tatsächlich verlässt und eine breite Öffentlichkeit für ihre Meinung erreicht. Das macht Spaß!

Durchführung
Alles, was für die Vorbereitung der Demo notwendig ist, steckt im Koffer. Dabei sind die einzelnen Sensibilisierungsmethoden- und spiele und das Projektmanagement so strukturiert, dass eine betreuende Lehrkraft diese ohne Vorarbeit in seinen Unterricht oder in Projekttagen umsetzen kann. Bereits der Einstieg in das Projekt DIY Schülerdemonstration ist schon motivierend gestaltet. Schülerinnen und Schüler, mit denen dieses Projekt ursprünglich entstand, wenden sich mittels eines Briefes an die Lerngruppe und berichten von ihren eigenen Erfahrungen und Erlebnissen. Danach können die Lernspiele zum ersten Lernschritt: "Verstehen" frei verwendet werden. Ebenso leitet die Ursprungsgruppe zum zweiten Lernschritt, dem Projektmanagement, über.

Erwartungshaltung
Schülerinnen und Schüler reagieren meist ungläubig bei der Frage "Machen wir das wirklich?". Sie können sich nicht vorstellen, dass ihr Handeln und Engagement so eine Bedeutung erlangen wird. Damit wären wir wieder bei der Selbstwirksamkeit (vgl. Methodik). Sie erleben, dass sie öffentlich für ihr Engagement wertgeschätzt werden. Sie werden von allen Seiten für ihre Zivilcourage und ihr Engagement anerkannt. Wozu das führt? Spaß und Freude am politischen Lernen.
Für die Schule: Die Schule erhält eine Öffentlichkeit. Denn das Lernen wird auf den Straßen des Ortes plötzlich sichtbar. Es tun sich Möglichkeiten auf, Unterstützer, wie beispielsweise den Bürgermeister, Vereinsvorstände, Ortsverbände oder benachbarte Schule zu gewinnen.
Für die Lehrkraft: An welche Erfahrungen erinnern wir uns aus unserer Schulzeit? Ausflüge, Klassenfahrten, Exkursionen. Mit der Durchführung einer Schülerdemonstration wird sich diese Lernerfahrung nahtlos in diese Reihe der erinnerungswürdigen Erlebnisse einreihen.

Zusammenarbeit / Akteure
Während der Phase des Projektmanagements zur Vorbereitung der eigenen Schülerdemonstration tritt die Klasse in Kontakt mit der eigenen Schulleitung, der Presse und der Polizei. Darüber hinaus gilt es auch Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen, die bereit sind, für die gleichen Werte einzustehen und aktiv zu demonstrieren. Vorzugsweise sind es andere Klassen der Schulgemeinschaft. Hier stehen jedoch Tür und Tor offen weitere Partnerschulen, Vereine und Politiker zu gewinnen.

Voraussetzungen
Der Methodenkoffer zur Do It Yourself Schülerdemonstration gegen Rassismus – sonst nichts

Zeitplan
Es bietet sich an das Projekt an den Fachunterricht (Gesellschaftslehre, Politik, Sozialwissenschaften oder Ethik) anzubinden. Dabei sollten ca. ein bis zwei Monate eingeplant werden. Gute Erfahrungen haben sich aber auch mit abschließenden Projekttagen gezeigt, in denen man die gesamte Workload der Planungsgruppen (Werbemaster, Organisationstalente, Showmaster, Malermeister) gebündelt hat.

Einsatz Fördergeld
Der Methodenkoffer ist die Steighilfe zur eigenen Schülerdemonstration. Es bedurfte einer langen Vorarbeit, hilfreichen Evaluationen seitens des ZfsL Münster, des Förderprogramms Demokratisch Handeln und befreundeten Lehrerinnen und Lehrer, um den Koffer zu erarbeiten. Aktuell existiert leider nur ein Koffer. Über das Fördergeld wäre es möglich, das Konzept und die Materialien in einem Arbeitsheft aufzubereiten und anschließend zu vervielfältigen, um vielen Lerngruppen, die Möglichkeit ihrer eigenen Demonstration zu bieten.

 
 



 

 

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