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Durch themenorientiertes Arbeiten große Herausforderung/SDGs in junge Köpfe bringen – der TheA-Unterricht an der ERS

Dominik Oebel und Philipp Sprott, Ernst-Reuter-Gemeinschaftsschule Karlsruhe

Im Fachunterricht bleiben meist nur wenige Stunden, um mit Schülerinnen und Schülern (SuS) Themen der Nachhaltigkeit genauer zu beleuchten. So wird beispielsweise das Thema Wasser oft aus nur einer Fachrichtung betrachtet. Doch reicht das auch aus? Können sie sich innerhalb von wenigen Stunden als ein Teil des Phänomens Wasser wahrnehmen, sich mitverantwortlich fühlen und problemorientierte Handlungsalternativen entwickeln, wenn zeitgleich kein anderes Fach diese Thematik aufgreift? An der ERS wurde das Projektfach TheA entwickelt und in die Stundenpläne der Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 implementiert. TheA verfolgt das Ziel, dass SuS sich ganzheitlich, vernetzt und handlungsorientiert mit Themen der Nachhaltigkeit auseinandersetzen. In vier Stunden pro Woche werden die Grenzen der Nebenfächer (Erdkunde, Biologie, Chemie, Physik) aufgehoben und übergreifend – mit ethischen/technischen Impulsen und digitalen Medien – an den Sustainable Development Goals (SDGs) gearbeitet. Die SuS durchlaufen pro Schuljahr vier Projekte mit dem Ziel, die SDGs selbstverantwortlich zu verstehen und dementsprechend zu handeln. Die Nachhaltigkeitsziele werden durch TheA nicht aus engen, fachlich geprägten Perspektiven betrachtet, vielmehr werden die SuS mithilfe eigener Lösungsansätze praktisch, vernetzt und interdisziplinär an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts herangeführt.

Ziele und Zielgruppe
Angelehnt an die Phineo-Wirkkette steht im Projekt TheA das, was bei den Teilnehmenden wirklich "hängen bleibt", im Mittelpunkt. SuS sollen verstehen, dass sie selbst für sich und auch für ihre Umwelt verantwortlich sind. Die SuS sollen die Inhalte des Projektes nicht nur konsumieren, sondern durch neues Wissen, neue Fähigkeiten und Fertigkeiten ihr Handeln im Sinne der Nachhaltigkeit verändern. Sie sollen sich auch über den Unterricht hinaus beschäftigen und lernen, im Team zu arbeiten und Lösungen zu finden, die sie in ein Produkt einfließen lassen. Durch das praktische Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit im Projekt TheA werden die SuS selbstbewusster und trauen sich mehr zu. Sie entdecken ihr eigenes Potenzial und die Fähigkeit, einen eigenen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Neben der unmittelbaren positiven Strahlwirkungen auf das Verhalten der SuS und ihrem Umfeld werden die SuS zukünftig erkennen, dass Thea ihnen wichtige Impulse hin zum nachhaltigen Handeln gegeben hat.

Methodik und Didaktik
Die praktizierte Didaktik stellt die SuS handlungsorientiert in den Mittelpunkt und verfolgt das Ziel, sie – von ihrer eigenen Lebenswelt ausgehend – ganzheitlich, vernetzt und interaktiv an die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts heranzuführen. Die SuS werden hierzu vor praktische Herausforderungen gestellt (das Betreuen eines Infostandes auf dem Karlsruher Stadtfest zum TheA-Thema) und in die Lage versetzt, überfachliche Kompetenzen wie Problemlösefähigkeit, Kooperationsbereitschaft und Flexibilität, kombiniert mit der Fähigkeit, digitale Medien sinnvoll einzusetzen. Bei allen Lernprozessen ist der Lernprozess hin zu einem zu erstellenden Produkt wichtig, den die SuS beim Bearbeiten der Herausforderungen durchlaufen und dabei ganz bewusst sowohl Frust- als auch Freudemomente erleben und unterbewusst Kompetenzen wie Selbstverantwortung lernen. Impulse zur Bearbeitung der Themen erhalten die SuS von Kooperationspartnern, den Eltern, Schülermentorinnen und Schülermentoren des Jahrgangs und Lehrkräften.

Durchführung
In TheA sind traditionelle Fachstrukturen aufgebrochen und der zeitliche Rahmen geweitet. So haben die Lerngruppen der Unterstufe seit dem Jahr 2020 einen Vormittag in der Woche TheA. Sie beschäftigen sich innerhalb von zwei Schuljahren mit acht Projekten, die sie nacheinander durchlaufen. Durch ein rotierendes System befasst sich jede Schülerin, jeder Schüler in vier Unterrichtsstunden pro Woche mit den folgenden Projektthemen, darunter zum Beispiel: Mein ökologischer Fußabdruck – was kann ich im Alltag tun, um ihn zu verkleinern? Wasser – flüssiges Gold? Der Mais, die Bienen und das Klima – (k)eine Liebesgeschichte? Die Lehrkräfte betreuen die Projektgruppen, die eine maximale Gruppenstärke von 14 Schülerinnen und Schülern haben, im Tandem und werden von acht bis zehn Schülermentorinnen und Schülermentoren sowie externen Bildungspartnern wie zum Beispiel dem Schulimker unterstützt. Jedes TheA- Projekt endet in einem Produkt (Filme, Modelle, Aktionen und Werkstücke) und impliziert den Grundsatz, dass die SuS etwas erreicht haben.

Erwartungshaltung
TheA ist an unserer Schule zu einem Mittel guter Schulentwicklung geworden. Mit der ständigen Auseinandersetzung mit dem Bildungsplaninhalten, gepaart mit den Zielen der BNE-Initiative, gelingt uns eine thematische Fokussierung anhand zentraler, relevanter Herausforderungen, die multiperspektivisch von den SuS betrachtet werden. TheA wird fortwährend evaluiert und prozessbezogen auf die SuS zugeschnitten. Die Evaluation umfasst zwei Bereiche: Zum einen findet eine Leistungsmessung der SuS mithilfe eines Kompetenzrasters statt. Zum anderen wird durch Umfragen die Wirkung und Zufriedenheit der SuS und der Lehrkräfte abgefragt und ggf. einzelne Punkte für das darauffolgende Schuljahr und die Durchführung an Partnerschulen angepasst. Wir erkennen so schon jetzt, dass die SuS in der Lage sind, ihr alltägliches Verhalten im Bezug auf Nachhaltigkeit zu reflektieren und dies wiederum positiv zurück in die Schule wirkt zum Beispiel durch Anträge der SMV hinsichtlich Foodwaste in der Schul-Mensa.

Zusammenarbeit / Akteure
Begleitet werden wir in TheA durch die Tüftelakademie Berlin, die VRD Stiftung für erneuerbare Energie und 21future, einer gemeinnützigen Initiative, die Kindern und Jugendlichen wichtige Zukunftskompetenzen auf interaktive und ansprechende Weise vermittelt und einige Externe, die über das Jugendbegleiterprogramm angestellt sind (Imker etc.). Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt und ist Gegenstand der Promotion des Schulleiters.

Voraussetzungen
Im Bereich Know-how sind die Lehrkräfte durch Fortbildungen im Bereich BNE gut geschult. Mit den bisher verfügbaren Ressourcen sind wir zuversichtlich, die bestehenden Ansätze in den Jahrgangsstufen 5, 6 und 7 auch zu Coronazeiten, durchführen zu können. Um jedoch die Verstetigung an der Schule und die aus unserer Sicht sehr wichtige Verbreitung auf mindestens zwei weitere Schulen zu ermöglichen, benötigen wir weitere Ressourcen:
a) Personalaufwand + externe Honorarkräfte für die Begleitung der Projekte
b) IT-Equipment – Für unsere Partnerschulen soll sichergestellt werden, dass auf eine ausreichende technische Infrastruktur zurückgegriffen werden kann, um auch die mediale Komponente des Projektcaches TheA abbilden zu können.
c) Materialkosten: Wir benötigen Materialien zur praktischen Erarbeitung von Themen und Exkursionen.

Zeitplan
Die Entwicklung des Projektfaches TheA begann im Frühjahr 2020 als eine Initiative, die Coronakrise als Chance zu begreifen. Das Planungsteam bestand aus neun Lehrkräften und dem Sozialunternehmen 21future, mit dem die Schule seit knapp drei Jahren Lernreisen im Bereich des kompetenzbasierten Arbeitens durchführt. Die Projektmanagerin Anna-Lina Kuch ist seit 2019 fester Bestandteil des Kollegiums und arbeitet an der Konzeptionierung und Durchführung von TheA mit. Die Projektplanung umfasste von Anfang an a) den Projektstart und Test in den Jahrgangsstufen 5 und 6 (Herbst bis Frühjahr), b) die Ausweitung auf alle anderen Lerngruppen und c) die Ausweitung auf mindestens zwei weitere Schulen. Phase a) lief bisher erfolgreich. Seit Beginn des Schuljahres 2020/21 wurde TheA in die Stundenpläne der Jahrgangsstufen 5 und 6 der ERS implementiert. Für Lerngruppe 5 findet TheA dienstags statt, für Lerngruppe 6 donnerstags. Seit dem Schuljahr 2021/22 findet TheA auch Eingang in Jahrgangstufe 7.

Einsatz Fördergeld
Die Fördergelder würden voraussichtlich in den in dem Punkt "Voraussetzungen" genannten Bereichen fließen. Der Fokus liegt hierbei im Bereich der Materialkosten zur praktischen Erarbeitung von Themen und Exkursionen. Gleichzeitig könnte das Fördergeld zur Pflege und Ausweitung der Bildungspartnerschaften mit schulexternen Bildungspartnern fließen, die mit ihrem wertvollen Know-how unseren Unterricht bereichern.

 
 



 

 



 

 

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