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Projekte Informationen zu den 2021 eingereichten Projekten


Das Leben und Wirken der Anna Freud

Mareike Gloeckner und Marco Polifka, Anna-Freud-Schule, Berlin

Fachübergreifendes Kooperationsprojekt der Fachbereiche Psychologie, Pädagogik, Englisch, Geschichte und jahrgangsübergreifenden Lerngruppen "Demokratieförderung" und "Antisemitismusprävention gestalten"

Das Projekt "Das Leben und Wirken der Anna Freud" ist ein Projekt eines mehrjährigen und mehrstufigen Schulentwicklungsprojekts im übergeordneten Kontext der Anerkennungspädagogik mit dem Namen "Wir sind die Anderen!". Das Schulentwicklungsprojekt erstreckt sich über drei Jahre und beinhaltet fünf Säulen:
●  Fachdiskurs und Diskussionskultur
●  Fort- und Weiterbildungen
●  Selbstreflexion
●  Beratungsstelle
●  Öffentlichkeitsarbeit

Jede Säule beinhaltet verschiedene Projekte und Laufzeiten. So ist ein Projekt zum Beispiel ein Workshopangebot mit dem Verein Kiga e.V., zur Antisemitismusprävention. Ein weiteres Projekt ist eine geplante Kooperation zwischen der IPU/FU Berlin und der Anna-Freud-Schule zur Gestaltung einer digitalen Plattform zum Thema "Erinnerungen und Geschichte – Das Wirken der Anna Freud". Ebenfalls ist eine Mitarbeit zu einem Dokumentarfilm von Beatrix Schwehm über das Leben der Anna Freud geplant.

Das aktuelle Projekt, mit dem wir uns bewerben möchten, ist unter der Säule "Selbstreflexion" zu finden und im Schuljahr 2021/22 gestartet. Der Zusatzkurs "Das Leben und Wirken der Anna Freud" hat das Ziel, den Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern unserer Schule die Arbeit unserer Namensgeberin Anna Freud näherzubringen.

Ziele und Zielgruppe
In Wochenendseminaren, im Unterricht und extracurricularen Veranstaltungen setzen sich unsere Schülerinnen und Schüler mit jüdischen Welten und ihre Traditionen und Geschichte sowie mit den Erfahrungen als Juden in Deutschland auseinander um zu begreifen, welche Auswirkungen Judenfeindschaft und Antisemitismus haben.

Damit die Auseinandersetzung nicht nur theoretisch erfolgt, fanden sich der Fachbereich Psychologie und Geschichte zusammen, um den Zusatzkurs "Anerkennung für Anna" für Schülerinnen und Schüler der 12. und 13. Klassen der Abteilung Berufliches Gymnasium (Alter: 16 bis 19 Jahre) zu planen.

Ziel war es, Interviews mit zwei Überlebenden des Holocaust zu führen. Die beiden Frauen Bela und Jackie waren als Säuglinge im Konzentrationslager Theresienstadt interniert. Nach der Befreiung des Lagers wurden Sie nach England in ein vorübergehendes Kinderheim gebracht. Dort nahm sich Anna Freud ihrer an. Sie entwickelte für diese schwer traumatisierten Kleinkinder eine speziell zugeschnittene Form der Psychotherapie.

Methodik und Didaktik
Das übergeordnete Ziel des Teilprojektes "Das Leben und Wirken der Anna Freud" basiert didaktisch auf den Prinzipien der Anerkennungspädagogik. Dabei geht es um die Entfaltung einer Haltung, die das Verstehen des Anderen und das Anerkennen des Anderen etabliert. Mit der Anerkennungspädagogik bauen wir eine Basis-Haltung bei Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften auf, die mehr ist als eine Methode.

Um diese Haltung aufzubauen, werden die Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Zusatzkurses "Das Leben und Wirken der Anna Freud" mit der Methode des Projektorientierten Lernens vertraut gemacht. Sie planen, organisieren und gestalten selbstständig weitere Projekte im Anschluss an das Interview mit den Child Survivors. Zur Organisation innerhalb der Projektgruppe nutzen sie unsere Kommunikationsplattform "IServ", verwalten ihre Daten und Dokumentation digital. Projektorientiertes Arbeiten beinhaltet weitere methodische Ansätze wie kollaboratives Arbeiten.

Durchführung
Im Anschluss an das Interview mit den beiden Child Survivor, ging der Wunsch hervor, dass Jackie und Bela zum Gedenktag am 25. Januar 2022 eingeladen werden sollen. Die Organisation für den Aufenthalt sowie die thematische Einbettung in den Gedenktag findet im Zusatzkurs statt. Ebenso wird von den Schülerinnen und Schülern der Kontakt zur Gunter Demnig Initiative aufgebaut und ein Stolperstein für Belas Familie gelegt.

Im Rahmen des Gedenktages erarbeiten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Arbeitsgruppe Gedenktag (einzelne Lehrkräfte, Schülervertretung, Schulleitung) ein Programm und eine Ausstellung.

Die Schülerzeitung möchte das Projekt und die Planung zum Gedenktag begleiten und dokumentieren, so dass die AG Schülerzeitung ebenfalls integriert ist.

Die Leistungskurse Englisch der Jahrgangsstufe 12 des Beruflichen Gymnasiums möchten auf Grundlage des aufgezeichneten Interviews eine Mini-Serie im Podcastformat produzieren.

Erwartungshaltung
Durch die Auseinandersetzung mit biographischen Geschichten etablieren wir eine positive Vorbildfunktion, indem wir Geschichte lebendig und personengebunden darstellen. Wir erhoffen uns, dass die Auswirkungen der NS-Zeit aus den Geschichtsbüchern heraus lebendig gemacht werden können, um die Auswirkungen und ihre Ausmaße zu verdeutlichen. Unser Schülerinnen und Schüler sollen verstehen lernen, dass Hass, Diskriminierung und Vorurteile Anerkennung verhindert: damals wie heute. Wir möchten ihnen gelebte Demokratie vermitteln und dass ihr Handeln positive Auswirkungen hat und sie sich selbstbewusst mit den Herausforderungen unserer Gesellschaft auseinandersetzen können, ohne Angst zu haben und diese positive Haltung nach außen tragen.

Zusammenarbeit / Akteure
Auf schulinterner Ebene haben Kollegeninnen und Kollegen aus den Fachbereichen Psychologie, Geschichte und Englisch das Projekt gemeinsam weiterentwickelt. Darüber hinaus sind alle Lehrkräfte involviert, indem sie dem Thema und Projekt in ihrem Unterricht Zeit einräumen, zum Beispiel zur Teilnahme an dem Interview (per Videokonferenz) und zur Vorbereitung auf den Gedenktag am 25. Januar 2022. Des Weiteren sind die Schülerinnen  und Schüler des Zusatzkurses tatkräftig bei der Planung und Organisation involviert. Dabei handelt es sich um Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 des Beruflichen Gymnasiums. Ebenfalls ist die Schülervertretung aktiv, indem sie die Informationsweitergabe an die Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Jahrgängen übernimmt und weitere Projekte mit organisiert. Auf schulexterner Ebene sind die beiden Zeitzeugen und Child Survivor Bela und Jackie wichtiger Teil des Projektes sowie die Gunter Damnig-Inititative "Stolpersteine".

Voraussetzungen
Die Schulleitung unterstützt das Projekt und die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen sowie weitere Kolleginnen und Kollegen, die im Beruflichen Gymnasium unterrichten, indem sie Unterrichtszeit zur Verfügung stellen und Schülerinnen und Schüler für Treffen des Zusatzkurses freistellen.

Die digitale Infrastruktur ist maßgeblich durch unsere Kommunikationsplattform IServ gegeben, ggf. bräuchte es noch zusätzliches technisches Equipment für die audiovisuelle Begleitung und Aufbereitung des Besuches der Child Survivors im Januar, zum Beispiel ein Mikrofon für die Tonaufnahmen sowie eine Kamera für die Filmaufnahmen.

Für die Einladung der Child Survivor benötigt es finanzielle Unterstützung für Flug und Unterkunft.

Zeitplan
Der Zusatzkurs ist über ein Schuljahr geplant und beinhaltet drei große Etappen:
1. Etappe: Vorbereitung und Durchführung des Interviews mit Child Survivor von Bulldog Banks (durchgeführt am 29. Oktober 2021)
Zwischenetappe: Reflexion des Interviews, weitere Planungsschritte ( 29. bis 30. Oktober 2021)
2. Etappe: Einladung der Child Survivors zum Gedenktag am 25. Januar 2022
Vorbereitung Stolpersteine-Projekt (Oktober bis Dezember 2021)
Vorbereitung Ausstellung zum Thema "Child Survivors" (Oktober 2021 bis Januar 2022)
3. Reflexion und Nachbereitung des Besuches (Februar bis Juni 2022)
4. Evaluation des Projektes und Anschlussprojekte (Juli 2022)

Einsatz Fördergeld
Die Fördergelder würden in erster Linie für den Besuch der beiden Child Survivors sowie der Errichtung eines Stolpersteins eingesetzt.

 
 

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